👥 Wer sind Sinti*zze und Rom*nja?

Rom*nja und Sinti*zze (auch bekannt als: Sinti und Roma) sind vielfältige Gemeinschaften mit unterschiedlichen Lebensrealitäten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie historisch wie gegenwärtig von Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt sind.

Sinti*zze und Rom*nja sind eine anerkannte nationale Minderheit in Deutschland und in vielen europäischen Ländern.

Die Begriffe Rom*nja und Sinti*zze sind Selbstbezeichnungen – also Bezeichnungen, die von den jeweiligen Gemeinschaften selbst gewählt werden. Sie stehen bewusst im Gegensatz zu dem rassistischen Fremdbegriff Z̶i̶g̶e̶u̶n̶e̶r̶, der historisch zur Abwertung, Ausgrenzung und Verfolgung genutzt wurde und heute nicht verwendet werden sollte.

🌍 Geschichtliche Bezüge, Sprache und Vielfalt

Sinti*zze leben überwiegend in West- und Mitteleuropa, Rom*nja vor allem in Ost- und Südosteuropa. Zugleich gibt es vielfältige Überschneidungen, Migrationen und sehr unterschiedliche Lebensrealitäten. Beide Gruppen gehören zu einer größeren Gemeinschaft, deren historische Herkunft bis nach Indien zurückreicht. Diese geschichtliche Bezüge erklärt auch Romanes – eine eigenständige Sprache mit zahlreichen regionalen Varianten, die nicht mit dem Rumänischen verwandt ist.

🇩🇪 Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland

In Deutschland leben Sinti*zze und Rom*nja seit Jahrhunderten. Im Jahr 1995 wurden sie – gemeinsam mit den Däninnen, Friesinnen und Sorb*innen – als eine von vier nationalen Minderheiten offiziell anerkannt.
Mit dieser Anerkennung sind Rechte verbunden, etwa der Schutz von Sprache, Kultur und Identität. Diese rechtliche Gleichstellung bedeutet jedoch nicht, dass gesellschaftliche Diskriminierung automatisch überwunden ist: Viele Angehörige der Communities erleben weiterhin Ausgrenzung, Rassismus und mangelnde Teilhabe – in Bildung, Arbeitsmarkt oder Behördenkontakt.

🔍 Keine homogene Gruppe

Für ein differenziertes Verständnis ist zentral: Rom*nja und Sinti*zze sind keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich – wie alle gesellschaftlichen Gruppen – unter anderem in sozialer Lage, Bildung, Religion, Lebensstil, politischem Engagement und Selbstverständnis. Pauschale Zuschreibungen wie „die Rom*nja“ oder „die Sinti*zze“ verdecken diese Vielfalt und reproduzieren stereotype Bilder.

📚 Bedeutung für pädagogische und soziale Praxis

Für die pädagogische und soziale Praxis bedeutet dies: Rom*nja und Sinti*zze sollten nicht als „besondere Zielgruppe“, sondern als Menschen mit individuellen Biografien wahrgenommen werden – mit gleichen Rechten, unterschiedlichen Erfahrungen und spezifischen Diskriminierungserfahrungen, die gesellschaftlich bedingt sind. Professionelles Handeln erfordert, individuelle Lebenslagen ernst zu nehmen, ohne sie zu kulturalisieren oder zu problematisieren.

Warum ist das für Fachkräfte wichtig?

Wenn wir in pädagogischen oder sozialen Berufen tätig sind, prägt unsere Sprache den Kontakt. Sie kann Nähe schaffen oder Distanz. Wer Begriffe reflektiert verwendet, zeigt Respekt und signalisiert Offenheit.
Gerade in sensiblen Kontexten – z. B. Schule, Jugendhilfe oder Verwaltung – ist Sprache ein wichtiger Teil professioneller Haltung. Dabei geht es nicht um „politische Korrektheit“, sondern um Beziehungsgestaltung auf Augenhöhe.

🎓 Fortbildungshinweise

Wenn Sie die einzelnen Themen vertiefen oder im Team weiterdenken möchten stehen begleitend Fortbildungsangebote zur Verfügung.

→Weitere Informationen

🎬 Externer Videolink zum Mitdenken:

Wer sind Sinti*zze und Rom*nja? – Grundlagen, Geschichte und Sprache.

[Link öffnet neue Website – geprüft am 28.09.2025.]

(Hinweis: Es werden historische Gewalt- und Verfolgungskontexte sowie belastende Erfahrungen thematisiert; auch verletzende Fremdbezeichnungen werden als Thema angesprochen.)