Praxisbaustein: Medienbilder erkennen

🎧 Worum geht es hier?

Dieser Baustein unterstützt Fachkräfte dabei, mediale Bilder und Erzählungen über bestimmte Gruppen – insbesondere Sinti*zze und Rom*nja – in ihrer Wirkung auf das eigene Fallverstehen kritisch zu hinterfragen.

Denn oft wirken stereotype Medienmotive unbewusst als Erwartungsfolie – etwa wenn Armut, Wohnmobilität oder Konflikte in bestimmten Familien sofort mit "problematisch" assoziiert werden.

🧭 Sie arbeiten hier autonom und im eigenen Tempo.

🕊️ Nehmen Sie sich Zeit für die Fragen – und machen Sie bei Bedarf eine Pause.

🕒 Zeitaufwand

  • Einzelreflexion: ca. 15–20 Minuten

  • Teamreflexion: ca. 30–45 Minuten

📌 Arbeitsform

  • Selbstreflexion

  • Kollegiale Beratung

  • Team- oder Fortbildungsgespräch

📝 Praxisskizze

Ein Jugendhilfe-Team diskutiert eine Familie, über die gesagt wird: „Die wohnen am Stadtrand, sehr eng, es ist viel los – das wirkt einfach überfordert.“ Eine Fachkraft ergänzt: „Ich hab neulich einen TV-Bericht gesehen, da war das ganz ähnlich – Roma-Familien, total unstrukturiert.“

Im Reflexionsgespräch wird deutlich: Es handelt sich nicht um eine gleichartige Situation, sondern um eine mediengeprägte Erwartung, die unbewusst in die Fallwahrnehmung eingewoben wurde.

💭 Reflexionsimpulse

1. 🖼️ „Inneres Bild aktivieren“

Wenn ich an „Roma-Familie“ denke – welches Bild taucht in mir auf? Woher stammt es?

2. 🔄 „Reframing“ – Medienstory vs. Realbegegnung

Was unterscheidet eine gesendete Geschichte von einer lebendigen, komplexen Lebensrealität?

3. 🧭 „Dissoziation“ – Aus Perspektive einer betroffenen Person

Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand meine Lebensweise durch einen Fernsehbericht erklärt?

4. ✍️ Erwartungen sichtbar machen

Welche unausgesprochenen Annahmen über „Ordnung“, „Familie“, „Wohnen“ prägen mein Urteil?

5. 📺 Medienhintergrund kritisch prüfen

Welche wiederkehrenden Narrative erkenne ich in Dokus, Reportagen oder News zu „Zuwanderung“ oder „Randgruppen“?

💬 Hinweise zur Selbstfürsorge

Wenn Du feststellst, dass eigene Medienbilder Deine Wahrnehmung beeinflusst haben:
🔁 Das ist kein Zeichen persönlicher Schwäche, sondern Ausdruck einer medialen Umwelt, die stark selektiv berichtet – insbesondere über Sinti*zze und Rom*nja.

Selbstfürsorge bedeutet hier: Verantwortung übernehmen, ohne sich selbst abzuwerten. Nur wer kritisch mit eigenen Prägungen umgeht, bleibt professionell anschlussfähig.

Selbstfürsorge dient hier nicht der Entlastung von Verantwortung, sondern der Aufrechterhaltung professioneller Reflexionsfähigkeit.

❗ Wichtiger Hinweis

Die unreflektierte Übernahme von Medienbildern ist ein häufiger Mechanismus der Stereotypisierung – gerade in der Arbeit mit minorisierten Gruppen.

Professionelle Reflexion bedeutet, diese Bilder bewusst wahrzunehmen, zu dekonstruieren – und ihnen differenzierte, kontextorientierte Perspektiven entgegenzustellen.

👥 Durchführung in Teams – Moderationshilfe

  • Einstieg mit eigenen Medienassoziationen („Welche Bilder tauchen in uns auf?“)

  • Sammeln: Woher kennen wir solche Bilder – wie oft haben wir Gegenbeispiele erlebt?

  • Reflexionsimpuls: „Wenn Medien Bilder prägen – was brauchen wir, um eigene Beobachtungen zu priorisieren?“

  • Abschlussfrage: „Wie kann ich mich künftig aktiv gegen mediale Zuschreibungen wappnen?“

Hinweis zur Quelle:

Die in diesem Praxisbaustein dargestellten Fallkonstellationen und Reflexionsimpulse orientieren sich inhaltlich an Erkenntnissen aus folgender wissenschaftlicher Studie:

Gutachten „Antiziganismus im Fußball und in Fußball-Fankulturen“

Herausgegeben von der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA), erstellt von der Alice Salomon Hochschule Berlin, gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), 2021.

Online abrufbar unter:

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/heimat-integration/antiziganismus/brunssen-gutachten-fussball.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (Abruf: 27.09.2025)

Es erfolgt keine wörtliche oder strukturidentische Übernahme. Die Inhalte wurden in eigenen Worten für gemeinwohlorientierte Bildungsarbeit aufbereitet.

© 2026 Čerenja e. V. – ROMANI RESILIENCE RESOURCES* I25-P02-A01-ME01

Diese Methode wurde im Rahmen des geförderten Projekts entwickelt und steht unter der Lizenz:*

CC BY-NC-SA 4.0 – Namensnennung – Nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de