🧩 Erfahrungs- & Positionierungswissen

Erfahrungswissen bezeichnet Wissen, das aus gelebten Erfahrungen, alltäglichen Situationen und biografischen Kontexten hervorgeht. Positionierungswissen ergänzt diese Perspektive, indem es sichtbar macht, wie Menschen sich selbst innerhalb gesellschaftlicher Macht- und Ungleichheitsverhältnisse verorten – bewusst oder unbewusst.

Beides ist kein „subjektives Zusatzwissen“, sondern eine eigenständige Form von Orientierung, die gesellschaftliche Strukturen aus der Innenperspektive erfahrbar macht.

🔎 Warum Erfahrungs- & Positionierungswissen relevant ist

In vielen professionellen Kontexten gilt vor allem abstraktes, institutionell anerkanntes Wissen als maßgeblich. Erfahrungs- und Positionierungswissen wird demgegenüber häufig als „persönlich“ oder „nicht verallgemeinerbar“ eingeordnet.

Diese Abwertung übersieht:

Erfahrungen sind nicht zufällig, sondern entstehen innerhalb konkreter sozialer, historischer und institutioneller Rahmenbedingungen. Positionierungswissen hilft dabei, diese Bedingungen zu benennen und einzuordnen.

⚖️ Bezug zu Rom*nja und Sinti*zze

Für viele Rom*nja und Sinti*zze ist Erfahrungswissen eng mit wiederholten Ausgrenzungs-, Anpassungs- oder Schutzstrategien verbunden. Positionierungswissen macht sichtbar,

  • wie gesellschaftliche Zuschreibungen erlebt werden,

  • wie mit ihnen umgegangen wird,

  • und welche Handlungsspielräume daraus entstehen oder begrenzt werden.

Dieses Wissen ergänzt statistische oder institutionelle Perspektiven um das, was diese häufig nicht erfassen

🧠 Bedeutung für Soziale Arbeit und Pädagogik

Für Fachkräfte bietet Erfahrungs- und Positionierungswissen eine wichtige Grundlage, um:

  • Fallverstehen nicht zu vereinfachen,

  • professionelle Deutungen zu reflektieren,

  • und Beziehungen nicht ausschließlich aus einer institutionellen Perspektive zu gestalten.

Es unterstützt dabei, nicht über Erfahrungen hinweg zu arbeiten, sondern sie als Analysequelle ernst zu nehmen.

🔄 Reflexionsimpulse für Fachkräfte

  • Welches Wissen gilt in meinem Arbeitskontext als „fachlich“ – und welches nicht?

  • Wie beeinflusst meine eigene Position meine Wahrnehmung von Erfahrungen anderer?

  • Wo besteht die Gefahr, Erfahrungen zu bewerten statt sie einzuordnen?

🛠️ Professionell damit umgehen

Ein sensibler Umgang mit Erfahrungs- und Positionierungswissen bedeutet:

  • zuzuhören, ohne zu verallgemeinern,

  • Erfahrungen nicht zu instrumentalisieren,

  • und eigene Deutungsmacht kritisch zu reflektieren.

Professionelles Handeln zeigt sich hier weniger im Antworten als im Aushalten von Ambivalenzen und im Anerkennen unterschiedlicher Wissensformen.

🎬 Externer Videolink zum Mitdenken:

Erzählungen Zwei Welten.

[Link öffnet neue Website – geprüft am 28.09.2025.]

(Hinweis: Es werden historische Gewalt- und Verfolgungskontexte sowie belastende Erfahrungen thematisiert; auch verletzende Fremdbezeichnungen werden als Thema angesprochen.)

🌐 Externe Quellen / Materialien (außerhalb)

📄Studie zu Rassismuserfahrungen von Sinti:zze und Rom:nja in Deutschland

Herausgeber*in: Alice Salomon Hochschule

→ Zur Studie (externer Link)

Letzte Überprüfung des Links: 03.10.2025

🎓 Fortbildungshinweise

Wenn Sie die einzelnen Themen vertiefen oder im Team weiterdenken möchten stehen begleitend Fortbildungsangebote zur Verfügung.

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