Institutioneller Rassismus
Kurzdefinition:
Institutioneller Rassismus bezeichnet Formen von Diskriminierung, die durch Regeln, Routinen, Zuständigkeiten und Organisationsstrukturen von Institutionen entstehen oder aufrechterhalten werden – auch dann, wenn keine bewusste rassistische Absicht einzelner Personen vorliegt.
Einordnung für die Soziale Arbeit und Pädagogik:
In pädagogischen und sozialen Institutionen zeigt sich institutioneller Rassismus z. B. in Zugangsregelungen, Bewertungsmaßstäben, Förderlogiken, Zuständigkeitsfragen oder standardisierten Verfahren. Diese können dazu führen, dass bestimmte Gruppen systematisch benachteiligt werden. Für Rom*nja und Sinti*zze äußert sich institutioneller Rassismus häufig in niedrigen Erwartungen, Ausschlüssen, fehlender Anerkennung von Mehrsprachigkeit oder problematisierenden Fallzuschreibungen.
Institutioneller Rassismus als Strukturphänomen:
Institutioneller Rassismus ist kein individuelles Fehlverhalten, sondern ein strukturelles Machtverhältnis. Er wirkt über formale Vorgaben und informelle Praktiken und ist eng mit gesellschaftlichen Diskursen und historischen Kontinuitäten verbunden. Dadurch kann Diskriminierung auch dort entstehen, wo Fachkräfte subjektiv gleichbehandelnd handeln möchten.
Bedeutung für professionelles Handeln:
Für Fachkräfte bedeutet eine Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus,
die eigene Rolle innerhalb institutioneller Strukturen zu reflektieren,
zwischen persönlicher Haltung und struktureller Wirkung zu unterscheiden,
Routinen und Entscheidungslogiken kritisch zu hinterfragen,
und Verantwortung nicht zu individualisieren, sondern institutionell mitzudenken.
Ziel ist nicht Schuldzuweisung, sondern die Entwicklung einer machtsensiblen, reflektierten Praxis.
Praxisrelevante Reflexionsfragen:
Welche institutionellen Regeln oder Routinen prägen mein Handeln?
Wo entstehen systematische Benachteiligungen – auch ohne böse Absicht?
Welche Spielräume habe ich, um diskriminierende Effekte zu reduzieren?
Weitere Themen
Struktureller Rassismus, Gatekeeping, Deutungshoheit, Professionelle Rolle, Machtverhältnisse