Porajmos / Samudaripen

Kurzdefinition:

Porajmos und Samudaripen sind Bezeichnungen aus dem Romanes für den nationalsozialistischen Genozid an Rom*nja und Sinti*zze. Samudaripen bedeutet sinngemäß „Massenmord“, Porajmos wird häufig mit „Verschlingen“ übersetzt. Beide Begriffe verweisen auf die systematische Verfolgung, Deportation und Ermordung von Rom*nja und Sinti*zze während des Nationalsozialismus.

Einordnung für die Soziale Arbeit und Pädagogik:

Die Kenntnis von Porajmos / Samudaripen ist für Fachkräfte zentral, um historische Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen als Teil gegenwärtiger Lebensrealitäten einzuordnen. Der Genozid war kein isoliertes Ereignis, sondern der extremste Ausdruck einer lange bestehenden rassistischen Ordnung. Seine unzureichende Anerkennung nach 1945 wirkt bis heute fort.

Begriffliche Vielfalt und politische Bedeutung:

Die parallele Verwendung beider Begriffe macht deutlich, dass es keine einheitliche Benennung gibt, sondern unterschiedliche erinnerungspolitische und sprachliche Traditionen bestehen. Die bewusste Nutzung der Selbstbezeichnungen aus dem Romanes ist Teil von Anerkennungskämpfen und widerspricht jahrzehntelanger Unsichtbarmachung.

Bedeutung für professionelles Handeln:

Für Fachkräfte bedeutet die Auseinandersetzung mit Porajmos / Samudaripen,

  • historische Kontinuitäten von Rassismus mitzudenken,

  • Misstrauen gegenüber Institutionen nicht zu individualisieren,

  • Gegenwartsdiskriminierung in einen größeren Zusammenhang einzuordnen,

  • und Erinnerungswissen respektvoll und kontextualisiert zu vermitteln.

Dabei geht es nicht um Detaildarstellungen von Gewalt, sondern um Einordnung, Anerkennung und Sensibilisierung.

Abgrenzung:

Porajmos / Samudaripen sind keine historischen Randthemen, sondern Schlüsselbegriffe zum Verständnis gegenwärtiger Diskriminierungskontinuitäten. Ihre Thematisierung dient nicht der Moralisierung, sondern der professionellen Kontextualisierung.

Weitere Themen:

Anerkennungskämpfe, Misstrauen gegenüber Institutionen, Institutioneller Rassismus