Segregation
Kurzdefinition:
Segregation bezeichnet die räumliche, institutionelle oder soziale Trennung von Bevölkerungsgruppen, die nicht zufällig entsteht, sondern durch politische Entscheidungen, institutionelle Praktiken, ökonomische Bedingungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse geprägt ist.
Einordnung für die Soziale Arbeit und Pädagogik:
Segregation zeigt sich z. B. in Wohnquartieren, Bildungseinrichtungen oder Zugängen zu Angeboten. Sie entsteht durch Faktoren wie Wohnungsmarktmechanismen, kommunale Steuerung, Schulbezirksgrenzen, Förderlogiken oder informelle Ausschlusspraktiken. Segregation ist dabei kein individuelles Verhalten, sondern ein strukturelles Ergebnis gesellschaftlicher Ungleichheit.
Bezug zu Rom*nja und Sinti*zze:
Rom*nja und Sinti*zze sind überdurchschnittlich häufig von segregierenden Strukturen betroffen, etwa durch räumliche Konzentration in bestimmten Wohnlagen, eingeschränkten Zugang zu regulärem Wohnraum oder institutionelle Sortierungsprozesse im Bildungssystem. Diese Formen der Trennung sind nicht Ausdruck „kultureller Präferenzen“, sondern Ergebnis historischer Ausgrenzung, Diskriminierung und fortwirkender institutioneller Praktiken.
Segregation und ihre Wirkungen:
Segregation verstärkt soziale Ungleichheit, da sie den Zugang zu Ressourcen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, sozialer Teilhabe und politischer Mitbestimmung einschränkt. Gleichzeitig wird Segregation häufig problematisiert oder naturalisiert („die wohnen halt unter sich“), wodurch strukturelle Verantwortung unsichtbar gemacht wird.
Bedeutung für professionelles Handeln:
Für Fachkräfte bedeutet der reflektierte Umgang mit Segregation,
räumliche und institutionelle Bedingungen in Fallanalysen mitzudenken,
segregierende Effekte nicht zu individualisieren oder zu kulturalisieren,
kommunale und institutionelle Verantwortung zu benennen,
und Handlungsspielräume zur Öffnung von Zugängen zu nutzen.
Eine professionelle Perspektive erkennt Segregation als Arbeitskontext, nicht als Eigenschaft von Adressat*innen.
Praxisrelevante Reflexionsfragen:
Welche strukturellen Faktoren tragen hier zu Trennung oder Ausschluss bei?
Wie beeinflusst der Wohn- oder Schulkontext die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten?
Wo reproduziere ich selbst – ungewollt – segregierende Effekte?
→ Weitere Themen:
Kommunale Praxis, Strukturelle Bedingungen, Institutioneller Rassismus, Problematisierung, Lebensrealitäten